Gesellschaftliche Exklusion aufbrechen

Der Artikel erschien ursprünglich beim so_ko_wpt

In Unterhaltungen mit „nicht-weißen“, nach Deutschland zugewanderten oder geflüchteten Menschen lässt sich erfahren, dass sie, die im Wahlsystem meist nicht vorkommen und deshalb nicht nur in den aktuellen Talkshows und Features tatsächlich stimmlos sind, sich vom Ergebnis der Wahl ebenso betroffen fühlen wie alle anderen. Sie werden in unzähligen Sendeminuten und in hunderten Artikeln zwar zur Projektionsfläche für immer irrsinnigere Welterklärungen rechter Diskurse, aber nicht nach ihrer Meinung gefragt. Dabei haben viele nicht nur Fragen zur Bedeutung des Wahlergebnisses, sondern auch zur Bedeutung von Wahlen an sich. Es gibt differierende Ansichten dazu, welche Folgen der Einzug einer rechten Partei in den Bundestag für das Zusammenleben in ihrer Stadt haben wird und verschiedene Vorstellungen zu einer notwendigen eigenen künftigen Positionierung, wenn gesellschaftlicher Rassismus nicht mehr in muffigen Runden am Stammtisch und hinter zugezogenen Gardinen versteckt, sondern als „legitime Meinung“ offen auf dem Markt verhandelt wird.

Öffentlich diskutiert wird das nicht. Stattdessen wird seit der Wahl am 24. September unablässig und ausschließlich über die sinistren Gefühlslagen der sechs Millionen „besorgten“ WählerInnen der AfD gesprochen. Hingegen sind die Ängste von über 17 Millionen Menschen „mit Migrationshintergrund“ in der BRD nicht wichtig genug, besprochen zu werden. Diese ausschließliche Beschäftigung mit den Motiven meist männlicher weißer Rassisten ist eine weitere Festschreibung von Rassismus und rechten Parametern, nachdem diese schon vor der Wahl zunehmend in die öffentlich geführten Diskurse eingesickert sind. Denn es zeigt deutlich auf, dass der völkische Gesellschaftsbegriff nicht nur von der AfD vertreten wird. Vermeintliche Sorgen müssen weiß und deutsch daherkommen, um in TV-Talkshows und Leitartikeln thematisiert zu werden. Befürchtungen und Ansichten anderer sind es nicht wert, selbst wenn deren Ängste im Gegensatz zum Wahnwitz „besorgter Bürger“ auf realen täglichen Bedrohungen durch Rassisten und auf Gewalterfahrungen beruhen. Die unmissverständliche Meta-Botschaft, die auf allen Kanälen und bei jeder Diskussion um Befindlichkeiten angeblich „abgehängter Deutscher“ ausgesendet wird, ist, dass MigrantInnen und Geflüchtete eben nie dazu gehören werden.

Ihre Exklusion erreicht mit der Konzentration von PolitikerInnen und Medien auf rechte Parolen und Forderungen eine neue Spitze. Das Narrativ der „ausgegrenzten“ Rassisten grenzt in Wahrheit ihre potentiellen Opfer aus und das Ignorieren von deren Sorgen zeigt, wie sehr der rassistische Diskurs schon zur gesellschaftlichen Grundlage einer Themensetzung geworden ist. Das Unhörbarmachen eines guten Fünftels der Bevölkerung trifft dabei jene, die ohnehin aufgrund sprachlicher Barrieren teilweise nicht über viele Zugänge zu Medien verfügen und oft auch von Diskussionen ausgeschlossen sind. Sie müssen mir ihrer zunehmenden Ausgrenzung alleine klarkommen. Zwar sind auch viele, nicht auf den ersten Blick als „anders“ identifizierbare Menschen besorgt, schließlich bedeutet die Entwicklung nicht nur die Etablierung von Rassismus in der gesellschaftlichen Mitte, sondern vorhersehbar auch die Ausweitung autoritär-repressiver Politik und einen gesellschaftlichen Backlash.

Doch anders als direkt von Rassismus Betroffene können sie sich noch weitgehend unbehelligt artikulieren und auch öffentlich auf die Suche nach einem richtigen Umgang mit den politischen Entwicklungen machen. Sie können auf das Ereignis „Bundestagswahl“ aus vermeintlich noch sicherer Position reagieren. Sie können sich treffen und äußern und sie verfügen auch über eine Anzahl von Medien, in denen sie Diskussionen selber anstoßen können. Angesichts der laufenden Diskurse sind sie damit die letzten möglichen „Verbündeten“ derjenigen, die darüber nicht verfügen. Neben der notwendigen Auseinandersetzung mit den eigenen Reaktionsmöglichkeiten auf Kommendes ist es deshalb genauso wichtig, das Privileg eigener „Sicherheit“ nun mit denen zu teilen, die auf offene Diskussionen und Vermittlung von Informationen angewiesen sind, um ein teilweise diffuses Gefühl von Bedrohung in eine realistische eigene Einschätzung verwandeln zu können. Das beginnt mit Begegnungen in sicheren Räumen und mit Fragen dazu, was sie zur Wahl denken.

Auf „Kleiner Drei“ hat die Autorin „Amina“ nach der Wahl über die aktuelle Situation von „Non-Almans“ geschrieben: „(…) wir kämpfen schon lange, wir kämpfen eigentlich schon unser ganzes Leben, unsere Verbündeten haben jetzt die Pflicht sich für uns einzusetzen, laut zu werden, sich einzumischen (…) Ich erwarte jetzt, dass unsere Verbündeten aktiv werden: diejenigen die nicht betroffen sind, aber schon Jahre an unserer Seite stehen und diejenigen, die bisher schweigend zugeschaut haben.“

Was denken Refugees, MigrantInnen und Minderheiten zur Wahl?

Beim w2wtal-Frühstück am 15. Oktober im ADA will „We Stay United Wuppertal“ mit Geflüchteten und mit MigrantInnen über ihre Ansichten zur Wahl ins Gespräch kommen. Um das Gespräch am Sonntag vorzubereiten, können Meinungen zur Wahl vorab geäussert werden. Sie können per E-Mail an w2wtal (w2wtal [at] bastardi.net) oder auf der Facebook-Veranstaltungsseite gestellt werden, am besten auf Deutsch oder in Englisch. Für das Gespräch im Café ADA, das gegen 12 Uhr beginnen soll (Frühstück 11 Uhr), bemühen sich die InitiatorInnen um weitere Übersetzungen.

#WelcomeUnited: Erfolgreich nicht geklappt

Der Trick beim Fliegen besteht darin, sich auf den Boden zu werfen und ihn zu verfehlen.
(Douglas Adams – Per Anhalter durch die Galaxis)

[von Walerij Lobanowskji]

Mit einer wunderschönen Demo-Parade in Berlin endeten zwei Wochen unserer Aktionstage zu „We‘ll come United“. Mit einem vollem Reisebus fuhren zum Abschluss am frühen Samstagmorgen etwa fünfzig Menschen von Wuppertal zur Demonstration nach Berlin. Die in den Bus Einsteigenden bildeten dabei die später an der „We‘ll come United“-Parade Teilnehmenden ziemlich gut im Kleinen ab: Die Hälfte der Mitfahrenden waren aktuell oder früher nach Wuppertal (oder in die Umgebung) Migrierte, die anderen haben schon länger ihren Lebensmittelpunkt in der Region. Es fuhren Männer und Frauen, Familien, ältere und junge Menschen. Angesichts des aktuellen, durch die Abschiebungen verursachten Drucks war es nicht überraschend, dass unter den Mitfahrenden viele Menschen aus Afganistan waren. Auch beim comUNITY-carnival in Berlin gab es einen starken afghanischen Block, der sich hinter einem „Bleibistan“-Banner formierte. Doch es nahmen Menschen aus vielen Comunities teil. Der vor der Demonstration verbreitete Slogan „Alle kommen. Von Überall“, stimmte also teilweise.

Er stimmte natürlich nur zum Teil, weil nicht „alle“ da waren. Das wurde schon durch die Anzahl der Teilnehmenden deutlich. Obwohl es aufgrund der dezentralen Struktur der Parade beinahe unmöglich war, die Zahl der Anwesenden zu schätzen – es gab zu keinem Zeitpunkt einen zentralen Punkt, an dem es einen Gesamtüberblick gegeben hätte – wird die später kolportierte Zahl von „etwa zehntausend“ Menschen wohl stimmen. Sie stellte den oberen Bereich dar, der irgendwann nach dem Auftakt auf dem Weg zur Zwischenkundgebung am Lustgarten erreicht worden sein mag. Auch die Zusammensetzung der Teilnehmenden verdeutlichte, dass der am Beginn der Kampagne stehende Plan, einen größeren Teil jener zu erreichen, die das millionenfache zivilgesellschaftliche Engagement für und mit Refugees abbilden, nicht aufging. In weiten Teilen erinnerte die „We‘ll come United“-Parade deshalb an eine Art „Familienfest“ migrationspolitisch aktiver und antirassistischer Initiativen. So betrachtet, wird aus der vielleicht als eher enttäuschend klein empfundenen Zahl 10.000 eine große.

Dass der Plan nicht aufgehen würde, die oft politisch meist stimmlosen oder leisen zivilgesellschaftlichen Akteure in die „We‘ll come United“-Strukturen einzubinden, war schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt klar. Trotz der Beteiligung größerer NGOs – u.a. waren attac Deutschland, diverse Flüchtlingsräte, die Humanistische Union oder medico unter den Mitunterzeichnern des Aufrufes – gelang es nicht, viele der Menschen in eine politische Manifestation einzubinden, die im Rahmen ihres Engagements in teils kleinteiligen „Willkommensinitiativen“ der Städte und Stadtteile mehr und mehr direkt mit den Folgen der Asylrechtsverschärfungen oder mit den zunehmenden Abschiebungen konfrontiert sind. Auch in dieser Beziehung standen unsere Bemühungen im Vorfeld der Wuppertaler Aktionstage vielleicht exemplarisch für die Gesamtsituation. Die an den Aktionstagen Beteiligten bildeten zumeist das Spektrum emanzipatorischer und antirassistischer Gruppen in Wuppertal ab, das sich schon seit Jahren mit der Thematik befasst. Ausnahmen bestätigen hier eher die Regel.

Es bleibt ein aufzuarbeitendes Phänomen, warum es nicht gelingt, in den Debatten um Geflüchtete, Flucht und Zuwanderung, um so genannte Integration oder zu Ursachen von Flucht die realen gesellschaftliche Verhältnisse abzubilden. Bis heute sind Gründe dafür diffus, warum bei zu vielen aus ihrem humanitärem Engagement keine politische Haltung entsteht, wenn die Politik ihr humanitäres Engagement behindert oder gar konterkariert. Eine Aufarbeitung dieses „Nebeneinander“ darf dabei nicht bei Kritik an den am 16.9. Abwesenden stehenbleiben. Auch wir müssen uns fragen, inwieweit seit dem Sommer 2015 ernsthaft versucht wurde, dem humanitären Engagement unsere politische Einmischung solidarisch zur Seite zu stellen – vieles wurde da sicher versäumt. Angesichts der (auch deshalb) weit nach rechts verschobenen Diskurse und kurz vor einer Wahl, die Feinde einer offenen Gesellschaft bestätigt, konnte die Erwartung, das nun nachholen zu können, nicht erfüllt werden.

Aber selbst, wenn es gelungen wäre, am 16. September mehr als zehntausend Menschen auf die Berliner Straßen zu mobilisieren, bleibt die Frage, was es in Bezug auf die exekutierte Politik europäischer Abschottung gebracht hätte. In Betrachtung der auch militärischen Entschlossenheit, mit der Deutschland und Europa dichtgemacht werden, fällt die Antwort darauf ernüchternd aus. „We‘ll come United“ hätte deshalb auch dann hauptsächlich eine Wirkung nach innen gehabt: Als Selbstvergewisserung und für ein erneuertes Gefühl eigener Stärke. Das wurde mit der Demo-Parade vom Bundesinnenministerium zum Oranienplatz auch mit 10.000 Teilnehmenden zweifellos erreicht. Die übereinstimmende Beurteilung aller war, dass es sich um eine der „schönsten“ Demos der letzten Jahre handelte. Schön waren die teilnehmenden Menschen. Schön waren die vielen glücklichen Gesichter bei der Demo oder am Straßenrand. Schön war vor allem die massenhafte Teilnahme von Geflüchteten. Schön war auch die hörbare Vielstimmigkeit, obwohl es durch das Fehlen einer zentralen Kundgebung nicht immer möglich war, jedem Redebeitrag zu folgen.

Schön war auch, dass der Demo-Zielpunkt, der Oranienplatz, einen Bezug zu Kämpfen von Refugees herstellte, die vor dem „Sommer der Migration“ 2015 abliefen und die heute manchen erscheinen mögen, als hätten sie in einem anderen Universum stattgefunden. Nicht nur Napulis Rede auf dem „O-Platz” machte deutlich, dass das nicht so ist. Vor allem für erst seit Kurzem Aktive wurde deutlich, das Flüchtlingskämpfe eine ebensolche Konstante sind wie der bekämpfte Rassismus und andauernde Repression und Diskrimierung. Das gehörte zum Verdienst der Demonstration. „We Stay United“, wie es auf dem Frontbanner hieß, war in diesem Sinne auch nicht nur als Ankündigung zu verstehen, sondern konnte als Brückenschlag zwischen verschiedenen „Generationen“ Geflüchteter und UnterstützerInnen gelesen werden. Ebenso verdienstvoll war die eindeutige Benennung tatsächlich Verantwortlicher für den Massentod im Mittelmeer, für eine Abschiebemaschinerie und für ständige Verschärfungen des Asylrechts bei der Parade. De Maiziére, Seehofer, Merkel, Gabriel, Steinmeier, Maas oder Kretschmann kommen schließlich angesichts der öffentlichen Fixierung auf die rassistischen Forderungen der AfD häufig viel zu gut und ungeschoren weg.

Sie offen benennen zu können war möglicherweise sogar nur deshalb möglich, weil eine sehr breite Mobilisierung nicht geklappt hat und es keine Auseinandersetzungen mit Gruppen gab, die bei der Verurteilung rassistischer Positionen gerne Unterschiede machen. Für die Aktionstage in Wuppertal lässt sich Ähnliches sagen: Die Zusammensetzung der OrganisatorInnen ermöglichte sehr konzentrierte Auseinandersetzungen mit einigen Themen, die alle beschäftigen, die sich mit und für Refugees engagieren. Es ging um wachsenden Kulturrassismus und Neonationalismus, um den auch in den „Leitmedien“ weit nach rechts verschobenen öffentlichen Diskurs, um Antiziganismus als Konstante mehrheitstauglichen Rassismus, um grundsätzliche Probleme des Engagements und um die zunehmende Kriminalisierung der Rettung und Unterstützung von Menschen auf der Flucht. Die Veranstaltungen der Aktionstage wurden durchweg als Erfolg wahrgenommen.

Dass das Programm in diesem Umfang und mit diesem Anspruch realisiert werden konnte, war der Kooperation von Initiativen und Gruppen zu verdanken, die zuvor manchmal wenig aufeinander bezogen arbeiteten. Es fanden während der gemeinsamen Arbeit Annäherungen statt, aus denen sich auch im lokalen Umfeld Kraft schöpfen lässt. Dass das Zusammenbringen verschiedener Akteure nicht in ganzer Breite gelungen ist,  ließ sich so durch die Intensität absolut kompensieren. Die Aktionstage mit der abschließenden Parade haben gezeigt, dass die Bewegung der Migration und ihre Autonomie „unstoppable“ sind. Wenn „We‘ll come United“ ein Versuch war, „uns auf den Boden zu werfen“, mag er gescheitert sein. Doch das „Spaceship Solidarity“ fliegt…

Nach und nach werden wir die vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen unserer Aktionstage noch aufarbeiten und einzelne Inhalte auch zugänglich machen. Die neugewonnenen Kooperationen werden jetzt nicht enden. Unsere Website bleibt aus beiden Gründen deshalb online und wird weiter aktualisiert.

Respect Existence or Expect Resistance!

We’ll rage United!

Dokumentiert: Aufruf von welcome2wuppertal (w2wtal) und dem so_ko_wpt.

w2wtal und das so_ko_wpt rufen zur Teilnahme an „We’ll come United” auf. Beteiligt euch an den vielen Aktionen und Veranstaltungen im Rahmen der Aktionstage in Wuppertal und kommt am 16. September mit nach Berlin zum großen Community Carnival mit Demo-Parade. Zur Anreise wird ein Bus aus Wuppertal organisiert. (von Loba)

Auf die Straße gegen deutsche Zustände in Europa!

Der Zeitpunkt für eine antirassistische Intervention in die vor der Bundestagswahl hyperventilierenden rechten Diskurse ist in vielfacher Hinsicht gut gewählt. Es ist das unmittelbare Umfeld einer Wahl, bei der zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren wieder eine rechtsradikale Partei in den Bundestag einzuziehen droht und es ist der zweite Jahrestag des von vielen so genannten „Sommers der Migration“. Es ist aber auch die Zeit im Jahr, in dem vor 25 Jahren das damals frisch wiedervereinigte Deutschland in Rostock-Lichtenhagen seine widerlichste Seite zeigte, die bis heute die Asylpolitik und den gesellschaftlichen Umgang mit MigrantInnen bestimmt. Die Reaktion der Politik auf das Pogrom am „Sonnenblumenhaus” war ein frontaler Angriff auf das Asylrecht – ein halbes Jahr danach war das deutsche Asylrecht nur noch Makulatur und das „Dublin-System“ unsere neue Realität, die gleichwohl am verbreiteten rassistischen Hass nichts änderte; drei Tage nach der Parlamentsentscheidung zur Grundgesetzänderung am 26. Mai 1993 verbrannten in Solingen fünf Frauen und Mädchen im von Nazis angezündeten Haus der Familie Genç.

Ein Vierteljahrhundert ist seither vergangen. Am sehr deutschen Mechanismus des gegenseitigen Aufschaukelns von rechter Hetze und willfähriger Politik hat sich so gut wie nichts geändert. Die medialen und politischen Diskurse ähneln denen von vor 25 Jahren verräterisch. Reden über den „unkontrollierten Zustrom von Ausländern“, oder darüber, daß „große Teile der Bevölkerung besorgt über den massenhaften Zustrom von Asylbewerbern“ seien und „organisierter Menschenhandel betrieben“ werde, stammen nicht etwa aus aktuellen Stellungnahmen De Maiziéres zur Seenotrettung, eines Seehofer zum September vor zwei Jahren, oder aus dem AfD-Wahlkampfbüro Gaulands. Es sind Zitate von CDU-Politikern aus dem Jahr 1992, mit denen die von CDU und SPD verabschiedete Asylrechtsänderung vorbereitet wurde (der frühere CDU-Ministerpräsident Seite; der damalige CDU-Innenminister Seiters; der Rostocker CDU-Bürgermeister Zöllick). Geändert hat sich teilweise lediglich der Absender rassistischer Botschaften. Die AfD nimmt den anderen die Drecksarbeit ab. Heute wird sie mit jeder Forderung nach endgültiger Eliminierung der Reste des einstigen Asylrechts in Talkshows eingeladen, heute macht sie angegriffene und in Not befindliche Menschen zu TäterInnen. So kann die geltende neoliberale Staatsräson von Leuten wie Merkel aufrecht erhalten werden, die gebietet, öffentlich ein weniger brutales Gesicht zu zeigen, als es zu uns Geflüchtete und auf der Flucht befindliche Menschen Tag für Tag tatsächlich erleben: In den ausgebauten Abschiebeknästen und den gecharterten Deportationsfliegern, in den Lagern und Elendscamps Griechenlands oder Italiens, als Sklaven in den Folter- und Vergewaltigungscamps in Libyien oder anderenfalls eben ertrinkend im Mittelmeer.

Wir geben nicht auf! No surrender! We‘ll come and rage United!

Damals wie heute werden Gewalt und Hass einer Minderheit der Bevölkerung maßlos verstärkt und instrumentalisiert um fundamentale Rechte einzuschränken, eine neue entrechtete Klasse zu schaffen und Menschen in den Tod zu treiben. Im Gegensatz dazu bleiben die vielen Menschen, die 2015 für kurze Zeit als RepräsentantInnen der „Willkommenskultur“ gefeiert, dann jedoch vielfach als „Gutmenschen“ diskrediert wurden, ungehört. Das dröhnende politische Schweigen über die Haltung von Millionen Menschen, die bis heute für und mit Refugees aktiv sind, ist so laut, dass viele der zivilgesellschaftlichen Akteure inzwischen verstummt sind; die fast vollständige Abschottung Europas kann so fast ungestört stattfinden. „We’ll come United“ ist der Versuch, dem endlich etwas entgegen zu setzen, das Schweigen zu durchbrechen und zu zeigen, dass wir nach wie vor sehr viele sind. Dass wir eben nicht einverstanden sind mit fast täglichen neuen Schikanen des Asylrechts, der Kriminalisierung von SeenotretterInnen oder Abschiebungen nach Afghanistan, Griechenland, Italien oder sonstwohin.

Gemeinsam sollen am 16.9. möglichst viele neu hier mit uns Lebende und viele, die sich nach wie vor engagieren, eine Woche vor der Wahl auf die Straße gehen und sich selbst und allen anderen dadurch vergewissern, dass wir nicht kapitulieren. Nicht vor einem Wahlzettel, der fast nur flüchtlingsfeindliche Parteien bereithält, nicht vor dem geschürten Klima der Angst, nicht vor neuen Kontrollsystemen und Überwachungen, nicht vor Repression; schon gar nicht vor rechten Hetzern und Rassistinnen. Die Demo-Parade wird eine bunte und vielfältige Vergewisserung sein, doch wir werden es uns nicht nehmen lassen, bei ihr unseren wachsenden Zorn auszudrücken.

Aktionstage in Wuppertal ab dem 1.9. Rassistische Diskurse durchbrechen!

Zur Vorbereitung der gemeinsam von mehreren Wuppertaler Initaitiven und Gruppen organisierten Fahrt von Wuppertal nach Berlin am 16. September finden während der „We‘ll come United“-Aktionstage eine ganze Reihe von Veranstaltungen statt, die die laufenden rechten Diskurse durchbrechen sollen. Unter anderem wird es um die Lage Geflüchteter in Griechenland gehen (am 3.9. mit Cars of Hope), um den Zustand der Gesellschaft, in der die Refugees ankommen (am 5.9. mit Astrid Messerschmidt), um die Veränderung der Diskurse seit 2015 (mit Regina Wamper am 8.9.), Antiziganismus (am 12.9. mit einem Referenten des Antifa AK Hagen) oder um die Kriminalisierung der humanitären Seenotrettung im Mittelmeer (am 14.9. mit AktivistInnen der „Sea-Eye“-Mission). Dazwischen finden jeden Tag weitere Diskussionen und Aktionen statt. Achtet auf die jeweiligen Ankündigungen und verbreitet die Termine – das ganze Programm gibt es auf der eigenen Website zu den Aktionstagen: wcuwpt.noblogs.org.

Bei allen Veranstaltungen wird für die gemeinsame Busanreise nach Berlin Geld eingesammelt. Damit sollen in erster Linie vergünstigte Bustickets finanziert werden, die jenen zur Verfügung stehen sollen, die wenig Geld haben. Über eine Spende können somit auch alle die indirekt an der Demo-Parade teilnehmen, die selber nicht nach Berlin fahren können. Zu diesem Zweck haben die InitiatorInnen auch eine Online-Spendenaktion gestartet: youcaring.com/wcuwpt

Über Uns • We Stay United! Respect Existence or Expect Resistance!

Vom 1. bis zum 16. September 2017 haben verschiedene Wuppertaler Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen, die mit und für Refugees arbeiten, gemeinsam die Wuppertaler Aktionstage zu We’ll come United organisiert. Mit einem fast täglichen Programm sollte der Versuch unternommen werden, die rassistischen Diskurse zu durchbrechen, die vor der Wahl am 24. September neue Höhepunkte erreichten.

Mit Veranstaltungen und Aktionen zur Lage Geflüchteter auf der ehemaligen Balkan-Route, zu Neonationalismus und Kulturrassismus, zur Geschichte der Kämpfe geflüchteter Menschen, zu den kaputtgemachten Diskursen um Flucht und Asyl, zur migrationspolitischen Geschichte der Stadt, Antiziganismus, den Problemen und Chancen der aktiven Arbeit und zur Kriminalisierung der Seenotrettung wurden zu den aktuellen Debatten um Abschottung und Schikane Kontrapunkte gesetzt.

Durch großen Einsatz vieler Menschen und viele Spenden wurde abschließend möglich, was wir uns zum Beginn der Kampagne gewünscht hatten: Gemeinsam mit vielen in Wuppertal lebenden Refugees konnten wir am 16.9. mit einem Bus nach Berlin fahren und an der We’ll come United-Demo-Parade teilnehmen.

Die Kooperation während der zwei Wochen wird nicht folgenlos bleiben. Sie wird fortgesetzt, weitere Initiativen sind aufgefordert, mitzumachen. Die nächsten Veranstaltungen und Workshops sind bereits in Planung. Nach der Wahl, bei der die rechtsradikal-rassistische AfD zusätzliche Möglichkeiten erhalten hat die etablierten Parteien weiter vor sich herzutreiben, ist eine gemeinsame Arbeit dringlicher denn je.  Deshalb gilt für uns: Nach der Parade ist vor den nächsten Aufgaben.

Auf dieser Website werden wir über die nächsten Vorhaben unterrichten und auch über die stattgefundenen Veranstaltungen noch ausführlicher berichten. Folgt uns außerdem über Twitter und Facebook oder den Info-Kanal von w2wtal bei telegram.

 w2wtalHand in Handkein mensch ist illegalso_ko_wptADAAutonomes Zentrum WuppertalCars of Hope Arbeit und Leben Berg-MarkTacheles e.V.UtopiaStadtKarawane Wuppertal • Stiftung W

Das war das Programm der Aktionstage

WE’LL COME UNITED!

WE’LL COME UNITED! PARADE 16.9. IN BERLIN

Wir geben nicht auf! Wir erinnern uns an den September 2015. Hunderttausende öffneten die Grenzen Europas. Sie waren nicht aufzuhalten, weil sie sich nicht aufhalten ließen. Sie gingen einfach los. Sie setzten sich in Bewegung, um anzukommen. Vom Budapester Bahnhof zur österreichischen Grenze. Bewegungsfreiheit blieb keine Forderung mehr. Die Bewegung nahm sich ihre Freiheit. Für ihr Recht auf Rechte, für ihr Recht auf Anwesenheit, auf Schutz, Hilfe und Zukunft. Der „March of Hope“ bleibt ein unvergessliches Ereignis in der langen Geschichte der Kämpfe für das Recht auf Flucht und Migration. (…)

Auch heute sind wir immer noch viele. Wir sind immer noch da, vielleicht sind wir sogar mehr geworden. Tagtäglich versuchen wir, uns dem Unrecht der Ordnung zu widersetzen. Die kleinen und großen Proteste sind Teil unseres Lebens geworden. Die Hoffnungen des Jahres 2015 sind noch nicht besiegt. Denn sie haben ihren Weg in das solidarische Handeln Abertausender in Deutschland und Europa gefunden.

Eine Woche vor der Bundestagswahl wollen wir uns zeigen.

Wir alle – gemeinsam auf der Straße in Berlin. Wir wollen den Platz für all jene Stimmen und Geschichten öffnen, die sonst nicht gehört werden oder ungehört bleiben sollen. (…) Alle sollten kommen, die es nicht weiter ertragen, dass an den europäischen Grenzen die Menschen im Elend verweilen, verzweifeln oder sterben. (…) Jetzt ist es Zeit, gemeinsam unsere Stimmen zu erheben. Wir sind viel mehr als wir denken!

We’ll come United! (Der ganze Aufruf: welcome-united.org)

WE’LL COME UNITED AKTIONSTAGE IM TAL

Viele in Wuppertal mit und für Refugees tätige Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen unterstützen den Aufruf zur Demo-Parade in Berlin und zu den WE’LL COME UNITED-Aktionstagen ab dem 2. September. Mit unserem Programm in den ersten beiden Septemberwochen wollen wir dazu beitragen, den rassistischen Diskurs zu durchbrechen, den zu uns geflüchteten Menschen Gehör zu verschaffen und Wuppertal zu einer echten „Stadt der Zuflucht” zu machen. Gemeinsam wollen wir am 16. September nach Berlin fahren, um einen unüberseh- und unüberhörbaren Beitrag aus unserer Stadt einzubringen.

  • Für das Recht zu gehen und zu kommen: Stop the dying!
  • Für das Recht zu bleiben: Stop the fear!
  • Für das Recht auf Solidarität: Break the silence!
  • Für das Recht auf Rechte: Stop Racism!
  • Für das Recht, nicht gehen zu müssen: Stop global injustice!
  • Für das Recht auf Teilhabe: Wuppertal zur Stadt der Zuflucht machen!

 


unterstützt von:

 


welcome2wuppertal w2wtal
Hand in Hand
kein mensch ist illegal
so_ko_wpt
ADA
Autonomes Zentrum Wuppertal
Cars of Hope
Arbeit und Leben Berg-Mark
Tacheles e.V.
UtopiaStadt
Karawane Wuppertal
Stiftung W

WE’LL COME UNITED: UNSER BUS NACH BERLIN!

Wir planen am Wochenende von WE’LL COME UNITED eine gemeinsame Anreise mit dem Bus nach Berlin. Ab sofort könnt ihr Tickets kaufen – wo ihr das tun könnt, könnt ihr dem Veranstaltungskalender entnehmen. Um das zu erreichen und um allen Menschen, die wenig haben, trotzdem eine Mitfahrt zu ermöglichen, werden wir während der Aktionstage soviel Geld wie möglich bei euch einsammeln und „Soli-Tickets” anbieten. Bei allen Aktionen und Veranstaltungen werden „Buskassen” herumstehen.

Es wird eine zweitägige Fahrt sein (Abfahrt nach Berlin um 5:45 Uhr am 16.9.; Rückfahrt nach Wuppertal am Sonntag, 17.9. gegen Mittag). Allen, die nicht individuell in Berlin unterkommen, versuchen wir einen Schlafplatz zu vermitteln – es werden auch „sichere” Unterkünfte dabei sein.

Zur Zeit sind noch einige wenige Tickets verfügbar. Wer sich schnell zur Mitfahrt entscheidet, ist im Vorteil!

AUCH WER NICHT MITFÄHRT KANN DABEI SEIN!


Doch auch, wenn ihr nicht selber mitfahren könnt, könnt ihr dabei sein. Hin- und Rückfahrt sollen möglichst nicht mehr als 20 Euro kosten. Um das zu erreichen und um Menschen, die wenig haben, trotzdem die Mitfahrt zu ermöglichen, brauchen wir euer Geld! Durch den Erwerb von „Soli-Tickets”, durch eine Spende in eine unserer „Buskassen” und durch den Besuch der Soli-Party am 1. September im Autonomen Zentrum zum Auftakt der Aktionstage könnt ihr vielen anderen die Teilnahme bei WE’LL COME UNITED möglich machen und damit durch sie zeigen, dass wir viele sind. Lasst uns solidarisch die rechten Diskurse durchbrechen!

Wenn ihr uns während der Aktionstage nicht treffen solltet: Kein Thema! Online spenden: youcaring.com/wcuwpt

 

 

Fragen zu Tickets, Schlafen und anderem:
E-Mail an: wcuwpt [at] onenetbeyond.org oder verschlüsselt über das Formular.

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